Maja Göpel: Unsere Welt neu denken. Eine Einladung.

Auf verschiedenen Wegen habe ich Kaufempfehlungen für dieses Buch gesehen und wollte es deshalb selbst ausprobieren. Kaut Klappentext zeigt das Buch, „welche Denkbarrieren wir aus dem Weg räumen sollten, um künftig klüger mit natürlichen Ressourcen, menschlicher Arbeitskraft und den Mechanismen des Marktes umzugehen – jenseits von Verbotsregimen und Wachstumswahn.“

Das interessiert mich natürlich, vor allem, wenn es „neu gedacht“ werden soll, denn angesichts dessen, was in der Welt gerade alles los geht, ist das Gefühl stark, dass wir unbedingt eine große, neue Lösung für alles brauchen.

Nach dem Lesen weiß ich jetzt allerdings nicht so wirklich, ob ich dieses Buch tatsächlich empfehlen soll oder möchte (Spoiler: doch, möchte ich!). Einerseits ist es gut geschrieben und fasst in klarer, verständlicher Sprache wissenschaftliche Erkenntnisse, statistische Daten und historische Fakten zum Klimawandel zusammen – andererseits hat mich das Buch unheimlich deprimiert. Manchmal fehlt mir auch der „neue“ Ansatz, den das Buch verspricht. Personen, die sich mit dem Thema beschäftigen, finden nicht viel Neues in dem Buch und sind vermutlich wie ich am Ende reichlich deprimiert, weil sich einmal mehr die Erkenntnis aufdrängt: Privatpersonen können noch so sehr anstrengen, auf tausend Dinge verzichten… solange politisch nicht dafür gesorgt wird, dass auch Firmen und Superreiche gezwungen werden, sich ökologisch verantwortungsvoll zu verhalten, ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Autorin rät, sich auf das zu konzentrieren, was in unserer Macht steht, doch was ist das schon? Ich kann zum Beispiel auf Fast Fashion verzichten, habe aber dennoch keine Kontrolle darüber, ob die teuren Kleidungsstücke, die ich stattdessen kaufe, nicht am Ende aus derselben Fabrik kommen. Gebrauchte Kleidung ist zumindest für Kinder eine gute Alternative, für Erwachsene außerhalb von „normschlank“ nur bedingt. Ich könnte natürlich selbst nähen, aber dafür fehlt mir einerseits die Zeit, und andererseits kommen ja auch die Stoffe von irgendwoher und ich weiß nicht, wo und wie diese produziert werden.

Bei mir blieb also ein großes Gefühl der Machtlosigkeit nach dem Lesen des Buches. Im Alltag verwenden wir als Familie relativ viel Zeit darauf, nach ökologischeren Lösungen zu suchen und haben doch immer ein schlechtes Gewissen, weil wir nicht perfekt sind. Als Dorfbewohner mit nicht nennenswerter Anbindung an ÖPNV fahren wir zum Beispiel überall mit dem Auto hin – weil es nicht anders geht. Es gibt im Dorf nichts zu kaufen und… wie gesagt: Kein Busverkehr abgesehen von Schulbussen. Während ich mich also gräme, dass ich zum Einkaufen und zur Arbeit das Auto nehme, haben große Firmen gar kein Problem damit, tonnenweise CO2 auszustoßen, Flüsse zu verschmutzen und Gesetzeslücken geschickt auszunutzen. Während wir auf unserem Grundstück jedes Jahr heimische Bäume und Büsche pflanzen, Wiesen nicht mähen, Benjeshecken anlegen, Holz liegenlassen und dafür kämpfen, dass wenigstens um uns herum weniger Böschungen gemulcht werden, werden deutschlandweit mehr als 80 Hektar täglich neu bebaut. Dabei wird die Natur schlichtweg platt gemacht, durch die Versiegelung riesiger Parkplätze gelangt kein Regen mehr in den Boden und durch „ordentliche“ Rasenflächen (lest dazu auch meinen Text woanders) rund um Firmengebäude, die immer schön kurz gehalten werden, trocknet der Boden nur noch schneller aus. Was macht es also aus, dass wir auf unserem kleinen Stück Welt so bemüht sind?

Es wird klar: Ich bin müde. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen und alle Argumente und Fakten, die „Ökoleute“ und Wissenschaftler*innen liefern werden mit „Aber die Wirtschaft…“ entkräftet. Ich denke, die Wirtschaft wird auch keinen Spaß haben, wenn unsere Erde keine lebenswerten Bedingungen mehr hat. Wer hungert, kauft keinen SUV (Herr Scheuer!?!). Ich bin aber auch trotzig. Wir machen trotzdem weiter. Wär‘ ja auch noch schöner.

Fazit ganz am Ende: Doch ja, lest das Buch. Bitte! Und gebt es weiter. Gebt die Gedanken weiter. Geht den Leuten auf die Nerven. Anders geht es ja wohl nicht.

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